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Thursday, 1 July 2010

je suis comme je suis - Jacques Prévert

Je suis comme je suis
Je suis faite comme ça
Quand j’ai envie de rire
Oui je ris aux éclats
J’aime celui qui m'aime
Est-ce ma faute à moi
Si ce n’est pas le même
Que j’aime chaque fois
Je suis comme je suis
Je suis faite comme ça
Que voulez-vous de plus
Que voulez-vous de moi

Je suis faite pour plaire
Et n’y puis rien changer
Mes talons sont trop hauts
Ma taille trop cambrée
Mes seins beaucoup trop durs
Et mes yeux trop cernés
Et puis après
Qu’est-ce que ça peut vous faire
Je suis comme je suis
Je plais à qui je plais
Qu’est-ce que ça peut vous faire

Ce qui m’est arrivé
Oui j’ai aimé quelqu’un
Oui quelqu’un m’a aimé
Comme les enfants qui s’aiment
Simplement savent aimer
Aimer aimer...
Pourquoi me questionner
Je suis là pour vous plaire
Et n’y puis rien changer.

Wednesday, 30 June 2010

spannung

Einsamkeit

Wild verwachsne dunkle Fichten,
Leise klagt die Quelle fort;
Herz, das ist der rechte Ort
Für dein schmerzliches Verzichten!
Grauer Vogel in den Zweigen!
Einsam deine Klage singt,
Und auf deine Frage bringt
Antwort nicht des Waldes Schweigen.
Wenn’s auch immer schweigen bliebe,
Klage, klage fort; es weht,
Der dich höret und versteht,
Stille hier der Geist der Liebe.
Nicht verloren hier im Moose,
Herz, dein heimlich Weinen geht,
Deine Liebe Gott versteht,
Deine tiefe, hoffnungslose!

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Monday, 28 June 2010

Déjeuner du matin

Jacques Prévert par Arnaud Beunaiche.........................................................

déjeuner du matin

Il a mis le café
Dans la tasse
Il a mis le lait
Dans la tasse de café
Il a mis le sucre
Dans le café au lait
Avec la petite cuiller
Il a tourné
Il a bu le café au lait
Et il a reposé la tasse
Sans me parler
Il a allumé
Une cigarette
Il a fait des ronds
Avec la fumée
Il a mis les cendres
Dans le cendrier
Sans me parler
Sans me regarder
Il s'est levé
Il a mis
Son chapeau sur sa tête
Il a mis son manteau de pluie
Parce qu'il pleuvait
Et il est parti
Sous la pluie
Sans une parole
Sans me regarder
Et moi j'ai pris
Ma tête dans ma main
Et j'ai pleuré 

Jacques Prévert

Sunday, 27 June 2010

der akrobat


In der abendlichen Sonne
sitzen wir gebeugten Rückens
auf den Bänken in dem Grünen.
Unsere Arme hängen nieder,
unsere Augen blinzeln traurig.
Und die Menschen gehn in Kleidern
schwankend auf dem Kies spazieren
unter diesem großen Himmel,
der von Hügeln in der Ferne
sich zu fernen Hügeln breitet.

Franz Kafka (1883-1924)

that certain something

Verliebte Aue

Wo sind die stunden
Der süsssen zeit /
Da ich zu erst empfunden /
Wie deine lieblichkeit
Mich dir verbunden?
Sie sind verrauscht / es bleibet doch dabey /
Daß alle lust vergänglich sey.
Das reine schertzen /
So mich ergetzt /
Und in dem tieffen hertzen
sein merckmahl eingesetzt /
Läst mich in schmertzen /
Du hast mir mehr als deutlich kund gethan /
Daß freundlichkeit nicht anckern kan.


Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1616-1679)

Wednesday, 23 June 2010

nachspielzeit

lucio

dasz jetzt doch mal was passieren muesse
dachte er, waehrend er mit schritten, durch
die man das gesamte feld erblicken konnte
schnurstracks uebern rasen raste, ganz
wie eine dieser langgliedrigen jagdspinnen
zwanzig, vierzig, sechzig, achtzig meter
trieb er den ball voran wie ein krankes opfer
(die uebrigen spieler schauten unterdessen
kurz mal nach statistenrollen) als er mit
einem pendelschwung seines hintersten
beines dem ball die noetige wucht verpaszte
endlich im tor einzuschlagen & mit zum
jubel weit ueber den kopf ausgestreckten
armen, ohne das tempo zu mindern, mit
raumgreifenden gliederfueszerschritten
an exakt jene stelle zuruecksprintete, von
der er gekommen war, die zuschauerblicke
tief eingepraegt in seinem steifen nacken

stan lafleur (*1968)

mehr dazu

ersatztorwart

vage erinnerte er sich an die jahre, in denen er,
beide beine mit gewichten beschwert, von
den teppichstangen der nachbarschaft hing
stundenlang, bis sich seine arme so stark
ausgeleiert anfuehlten, dasz er zufrieden
nachhause laufen konnte. fuenf zentimeter
attestierten ihm diverse blaetter, habe dies
fruehe training seine fangarme verlaengert
von denen er mindestens zehn paar besasz
an die er vor jedem spiel zwei bratpfannen
schraubte, als handersatz – & auf der bank
platznahm. nicht eine minute verbrachte er
zwischen den pfosten, den teppichstangen
seiner jugend so aehnliche gebilde, dasz ihm
die jahre bald zur gaenze verschwammen
& er die baelle holte, woher sie auch kamen

stan lafleur (*1968)

thema des tages

diego maradona

wenn er anfing zu tricksen, oeffneten
& schlossen sie ihre muender zu ahs
& ohs, wie baelle geformt, die sich auf
ihn zurundeten im laufe des spiels als
waeren sie heimliche vertraute aus
einer ganz anderen welt. sie brachten
ihm ruhm, geld, blondinen & kokain &
der kleine kerl ging auf wanderschaft
sein koennen all jenen zu zeigen, die
mit ihm einig waren, dasz es nichts
schoeneres gab, als mitten im match
einen freistosz zu schieszen, der wie
ein bumerang auf seinen fusz zurueck
flog bevor er ihn mit raffinesse
ueber den bedauernswerten torwart hob
sogar im schlaf jongliere er noch mit
baellen hiesz es, heimlich unter
der bettdecke, wie damals schon als kind

stan lafleur (*1968)

Monday, 21 June 2010

Weisheit des ungesicherten Lebens

“Stetig nähert er sich dem Punkt, wo das Unbekannte nicht nur
eine Lücke in einem Gewebe von Worten ist, sondern ein Fenster
im Denken, ein Fenster, dessen Name nicht Unwissenheit sondern
Staunen ist. (…) Und das erregende Geheimnis des ‘was’ es
ist, das wir bezeichnen und messen, muß uns schließlich ‘um
den Verstand bringen’, bis das Denken nicht mehr im Kreise
geht und eigene Wege verfolgt, sondern gewahr wird, daß
in diesem Augenblick zu s e i n das wahre Wunder ist.”

Alan Watts

entspannung

P L E R o m A C R O N
(‘Grundlose Inwesenheit’ für Anfänger)
zum letzten mal
die vögel zwitschern hören
und zum letzten mal
den sonnenaufgang sehen
dann zum letzten mal
den kaffeeduft genießen
und die zigarette nach
der sekundenmeditation
mich noch ein letztes mal
an alles gestrige erinnern
und ein letztes mal
die sehnsucht spüren
irgendetwas auszuleben
was auf meinem weg
nicht möglich war
ein letztes mal
in deine augen schauen
und mich fragen
ob wir uns dahinter treffen
und dann dieses letzte mal
mit dir verschmelzen
wie beim ersten mal
und staunen daß
wir immer noch
den größten sinn
im lieben finden
dieses letzte mal ist
kostbarer und dauert
unverhältnismäßig länger
als das ganze leben dieses
wundern über dieses wunder
dehnt die zeit in dieses
sagenhafte jetzt wir
schauen uns noch immer an
und fallen in die schwarze
tiefe der pupillen wie
durch einen lichtkanal
ins grenzenlose nichts ins
nichts ins blendend weiße
niemandsland das ferne
rauschen schwillt zu einem
ohrenbetäubenden summen an
und dieses summen saugt mir
meine seele aus dem leib
bis ich als klitzekleiner
punkt verdichtet in die leere
tauche die mich plötzlich
abholt mich durchflutet und
die zellstruktur zersetzt
den letzten gedanken wegätzt
und dann endlich alles
gut sein lässt
es ist vorbei mein hirn
darf sich entspannen
meine nerven leuchten
dunkelgrün und alles ruht
in sich als ob nichts war
und niemals werde unser
sogenanntes universum
hat nun ein bewußtsein
weniger das darum weiß
wie unvergänglich
seine stille
wirken
kann

Tom de Toys (*1968)

Saturday, 19 June 2010

movement

Und war es auch ein großer Schmerz,
Und wär’s vielleicht gar eine Sünde,
Wenn es noch einmal vor dir stünde,
Du tät’st es noch einmal, mein Herz.

Theodor Storm (1817-1888)

selbstlob


Selbstlob

Wie? mich selbst je hätt ich gelobt? Wo? Wann? Es entdeckte
Irgend ein Mensch jemals eitle Gedanken in mir?
Nicht mich selber, ich rühmte den Genius, welcher besucht mich,
Nicht mein sterbliches, mein flüchtiges, irdisches Nichts!
Weil ich bescheiden und still mich selbst für viel zu gering hielt,
Staunt ich in meinem Gemüt über den göttlichen Gast.

August von Platen (1796-1835)

Friday, 18 June 2010

pose 79

Dies ist das letzte Gedicht

das ich
dir schreiben werde. Nichts ist, wie
du es erwartest: eine Reihe
aus Bildern ohne Bilder, in denen
die Wände nur weiß sind und nichts
zeigen außer sich selbst. In den Bildern:
eine Schachtel aus Luft in einer Schachtel
aus Raum in den Bildern. Nichts ist
in der Schachtel in der Schachtel
die nicht aus Fleisch ist wie du
oder ich. Weiße Wände. Außer
der Schachtel, die nur im Gedicht
ist, erwartest du mich ohne Bilder
und Fleisch ohne Schachteln und Luft.

S. Trojan (*1980)

Wednesday, 16 June 2010

einem freund

To a Friend

William Lisle Bowles

Go, then, and join the murmuring city's throng!
Me thou dost leave to solitude and tears;
To busy phantasies, and boding fears,
Lest ill betide thee; but 't will not be long
Ere the hard season shall be past; till then
Live happy; sometimes the forsaken shade
Remembering, and these trees now left to fade;
Nor, mid the busy scenes and hum of men,
Wilt thou my cares forget: in heaviness
To me the hours shall roll, weary and slow,
Till mournful autumn past, and all the snow
Of winter pale, the glad hour I shall bless
That shall restore thee from the crowd again,
To the green hamlet on the peaceful plain.

gedicht

An den West-wind Daß Er Ihn zu Ihm bringe

Fleug / feuchter Zefyr / aus / fleug / wie nach deiner Floren
du itzt noch pflegst zu thun. Such meinen Auffenthalt /
Ob er bey deinem ist / durch diesen Tannen-Wald.
Such / wie du deine hast / so hab ich ihn verlohren.
Such ihn / und sag ihm das in seine leise Ohren:
Dort ist er / der dich wünscht / du Göttliche Gestalt:
Dort ist er / der dich hofft. Erfreust du ihn nicht bald /
So hat er seinen Ort zum Grabe schon erkohren.
Nim ihn / so bald er will / in deinen Blumen-schoß /
daß keine trübe Lufft auff meine Schönheit stoß’ /
und helle sie in dich / und laß es niemand wissen.
Hier wart’ ich / meine Post / ich warte mit Begier /
dich bald zu nähmen an / mit tausent Göttern hier;
Ihn / meiner Augen-Trost / mit hundert tausent Küssen.

Paul Fleming

Sunday, 13 June 2010

legende


So still wie man sich einen Spiegel denkt,
Stürzen Realitäten stumm vorbei…
Ich bin noch nicht bereit zum Buße tun;
Nicht zu angemessener Reue. Denn auch die Motte
Beugt sich nicht mehr als jene
Starr flehende Flamme. Und zuckend
In den weißen fallenden Flocken,
Sind Küsse––
Das einzig lohnende Gewährte.
Es will erlernt sein––
Dies Beharren und dies Brennen,
Doch nur von jenem, der sich
Wieder selbst verschwendet.
Doppelt und zweifach
(Nochmal diese rauchende Erinnerung,
Blutender Götze!) und dann noch einmal.
Bis die schiere Logik gewonnen ist,
Geflüsterlos, wie man sich einen
Spiegel denkt.
Dann wird, ätzender Tropfen für Tropfen, ein perfekter
Schrei konstante Harmonie erschaffen––
Unaufhaltsame Kapriole für jene,
Die, Legende ihrer Jugend, in den Mittag treten.

Hart Crane (1899-1932)

legend


As silent as a mirror is believed
Realities plunge in silence by…
I am not ready for repentance;
Nor to match regrets. For the moth
Bends no more than the still
Imploring flame. And tremorous
In the white falling flakes
Kisses are,––
The only worth all granting.
It is to be learned––
This cleaving and this burning,
But only by the one who
Spends out himself again.
Twice and twice
(Again the smoking souvenir,
Bleeding eidolon!) and yet again.
Until the bright logic is won
Unwhispering as a mirror
is believed.
Then, drop by caustic drop, a perfect cry
Shall string some constant harmony,––
Relentless caper for all those who step
The legend of their youth into the noon.

Hart Crane (1899-1932)

Saturday, 12 June 2010

ich liebte dich einst

I Loved Thee Once

Robert Ayton

I loved thee once; I'll love no more
Thine be the grief as is the blame;
Thou art not what thou wast before,
What reason I should be the same?
He that can love unloved again,
Hath better store of love than brain:
God send me love my debts to pay,
While unthrifts fool their love away!
Nothing could have my love o'erthrown
If thou hadst still continued mine;
Yea, if thou hadst remain'd thy own,
I might perchance have yet been thine.
But thou thy freedom didst recall
That it thou might elsewhere enthral:
And then how could I but disdain
A captive's captive to remain?
When new desires had conquer'd thee
And changed the object of thy will,
It had been lethargy in me,
Not constancy, to love thee still.
Yea, it had been a sin to go
And prostitute affection so:
Since we are taught no prayers to say
To such as must to others pray.
Yet do thou glory in thy choice
Thy choice of his good fortune boast;
I'll neither grieve nor yet rejoice
To see him gain what I have lost:
The height of my disdain shall be
To laugh at him, to blush for thee;
To love thee still, but go no more
A-begging at a beggar's door.

Friday, 11 June 2010

Matala



ach joni
inzwischen
gehen
wir alle am stock
und der wind
kommt von
überallher
das mermaid-cafe
vergangenheit die
feuerschrift am ufer
blass und in den kneipen
lauern trauerweiber
einem unfassbaren
frühling auf

Peter Ettl (*1954)